Eine Vision von Frieden, Vielfalt und dem ewigen Bund mit Gott

Stifter des neuen Schlosses für den Marienschrein ist Bischof em. Dr. Heinrich Mussinghoff

Dompropst Rolf-Peter Cremer (v.l.), Goldschmied Thomas Zintzen und Stifter Bischof em. Dr. Heinrich Mussinghoff vor Marienschrein im Aachener Dom. (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl
Dompropst Rolf-Peter Cremer (v.l.), Goldschmied Thomas Zintzen und Stifter Bischof em. Dr. Heinrich Mussinghoff vor Marienschrein im Aachener Dom.
Donnerstag, 2. Juli 2020
Pressemeldung Domkapitel und Bistum Aachen

Aachen – Donnernd tönen die Hammerschläge in die Stille des Aachener Doms: Es ist der Moment bei der Erhebung der Heiligtümer, bei dem jeder mitzählt. Wie viele Schläge braucht der Schmied, um den Bügel des Schlosses am Marienschrein zu öffnen? Wie viele Schläge, bis die Heiligtümer, Kleid Marias, die Windel Jesu, das Enthauptungstuch des heiligen Johannes des Täufers und das Lendentuch Jesu, den Menschen wieder gezeigt werden können? Es ist einer der wichtigen Momente bei jeder Aachener Heiligtumsfahrt – am 18. Juni 2021 wird der Marienschrein nach sieben Jahren wieder geöffnet. Nach zehn Tagen am 28. Juni 2021 wird er wieder verschlossen - mit einem neu geschmiedeten Schloss. Stifter des neuen Schlosses für den Marienschrein ist der emeritierte Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff. „Das neue Schloss für den Marienschrein hat viele Facetten, die es zu entdecken gilt. Es spannt einen großen Bogen und ist eindringlicher Appell für eine Welt, die aus der christlichen Botschaft heraus ein friedliches Miteinander aller Kulturen und Religionen zu ihrer drängendsten Aufgabe macht“, sagt Rolf-Peter Cremer, Dompropst und Wallfahrtsleiter der Heiligtumsfahrt 2021. Bisher existiert nur ein Modell des Schlosses. Im August beginnen die eigentlichen Arbeiten.

Die Vorderseite des neuen Schlosses ziert das Regenbogenkreuz. (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl
Die Vorderseite des neuen Schlosses ziert das Regenbogenkreuz.

Auf den ersten Blick ist es eine urzeitliche Ritzzeichnung: ein Pilgerzeichen, das Heinrich Mussinghoff auf seinen Reisen ins Heilige Land entdeckt hat. Eingekratzt in  einen Felsen, an dem sich die Wege von Pilgern aus verschiedenen Völkern, Religionen und Kulturen kreuzten. „Das Regenbogenkreuz hat mich tief beeindruckt und ist mir immer im Herzen geblieben“, sagt der emeritierte Aachener Bischof. Und so war dieses Motiv gleich in seinem Kopf, als es darum ging, ein neues Schloss für den Marienschrein zu gestalten. Das Kreuz stellt den Bund Gottes mit den Menschen in Schöpfung und Geschichte in dreierlei Hinsicht dar: den ewigen Bund Gottes mit allen Menschen, den nie gekündigten Bund Gottes mit seinem Volk Israel und den Jesusbund, in dem sich Gott in Christus durch seine Auferstehung mit den Menschen verbunden hat. „Diese drei Bünde sind ein Zeichen der Treue Gottes. Und sie weisen darauf hin, dass wir die Unterschiedlichkeit in den Konfessionen und Religionen achten“, betont Heinrich Mussinghoff, der unter anderem viele Jahre bei der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständig war.

Die Rückseite des neuen Schlosses greift das Motiv des Regenbogens wieder auf. Blau, Violett, Grün, Gelb, Orange erstrahlt er. „Wir sind alle Gottes Schöpfung: vielfarbig und vielfältig. Wir sollten darin den Hinweis Gottes auf unsere gegenseitige Verwiesenheit sehen, auf unser Mit- und Füreinander in Fürsorge und Friedenspflicht“, betont der 79-Jährige. Das Motiv des friedlichen Miteinanders greift auch die dargestellte Friedenstaube mit dem grünen Ölzweig im Schnabel auf, die über dem Regenbogen flattert. Regenbogen und Friedenstaube sind das Symbol der Gemeinschaft von Sant` Egidio. „Der Regenbogen kennzeichnet die Schönheit und den Wert zusammen zu leben, ohne die eigenen Farben zu leugnen, die eigenen Schattierungen und Besonderheiten“, sagt Heinrich Mussinghoff. Den Olivenzweig, den die Taube im Schnabel trägt,  zieren fünf strahlend grüne Smaragde. Sie stehen für die Partnerschaft des Bistums Aachen mit Kolumbien, mit dem die Diözese seit mehr als 50 Jahren eng verbunden ist. Gestiftet hat sie der ehemalige Primas von Kolumbien, Rubén Kardinal Salazar Gómez, Erzbischof von Bogotá. Er hat zudem eine besondere Verbindung zu Aachen und zur Heiligtumsfahrt: Während der Wallfahrt 2014 hat das Aachener Domkapitel Kardinal Salazar als Ehrendomherr eingeführt – ein Titel, der nur selten verliehen wird.

„Als Domkapitel haben wir unseren ehemaligen Bischof Mussinghoff gefragt, ob er das neue Schloss stiftet, weil wir uns sicher waren, dass er viel von seiner 20-jährigen Tätigkeit in unserem Bistum inhaltlich in das Schloss einarbeiten lässt. Seine Gedanken werden uns noch mehr als die kommenden sieben Jahre beschäftigen“, sagt Dompropst Rolf-Peter Cremer. Das friedliche Miteinander der Religionen, das Motiv der bunten Vielfalt, der Aufruf zu Frieden unter allen Menschen und die Freundschaft mit dem Partnerland Kolumbien – es sind die Elemente, die das Wirken und Handeln von Bischof em. Heinrich Mussinghoff bestimmten und weiter bestimmen.

Auf nur wenigen Millimetern wird der Aachener Gold- und Silberschmied Thomas Zintzen sie filigran umsetzen. Das Innenleben des künstlerischen Kleinods besteht aus einem einfachen Vorhängeschloss, um das herum das Kunstwerk entsteht. Eigentlich weiß der Goldschmied, der das neue Schloss herstellt, erst ob es wirklich passt, wenn es tatsächlich hinter der Marienfigur am Schrein angebracht wird. Eigentlich – denn Thomas Zintzen hat bereits das Schloss für die Verschließung im Jahr 2014 gestaltet. „Das ist schon etwas ganz Besonderes für mich. Ich habe die Heiligtumsfahrt 2014 noch in lebendiger Erinnerung. Und es ist eine große Ehre, dass ich sieben Jahre später noch einmal den Auftrag erhalten habe, noch ein Schloss für den Marienschrein zu fertigen“, sagt Thomas Zintzen. Und so wird er bei der kommenden Heiligtumsfahrt quasi in einer doppelten Funktion sein: Bei der Erhebung der Heiligtümer wird er derjenige sein, der den Bügel des Schlosses öffnet. Bei der Verschließung wird er der sein, der den Schrein verschließt. „Wenn der Marienschrein wieder verschlossen wird, dann wird das Schlüsselloch mit Blei gefüllt, der Schlüssel zersägt. Den Bart bekommt die Stadt, den Kopf das Domkapitel“, erklärt Dompropst Rolf-Peter Cremer. Denn: Stadt und Domkapitel haben sozusagen das „gemeinsame Sorgerecht“ für die vier Heiligtümer, so sagt es das Konkustodienrecht.

Die Heiligtumsfahrt 2021 steht unter dem biblischen Leitwort „Für wen haltet Ihr mich?“. Es ist die zentrale Frage Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger. „Und es ist die Frage an uns heute und zugleich auch das Motto, das zur Heiligtumsfahrt 2021 führt: Entdecke mich!“, betont Bischof em. Heinrich Mussinghoff.

Zum Hintergrund: die Heiligtumsfahrt Aachen und Kornelimünster

Die Heiligtumsfahrt findet vom 18. bis 28. Juni 2021 statt. Tausende Menschen werden sich dann wieder auf den Weg zum Aachener Dom machen. Ihr Ziel sind die vier Tuchreliquien, die seit 1349 alle sieben Jahre aus dem Marienschrein entnommen und zehn Tage lang im Dom und auf dem Katschhof verehrt werden. Dabei handelt es sich der Überlieferung nach um das Kleid Marias, das sie in der Geburtsnacht getragen hat, die Windel Jesu, das Enthauptungstuch des heiligen Johannes des Täufers und das Lendentuch Jesu.

Das biblische Leitwort für die Heiligtumsfahrt 2021 lautet „Für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15). Es ist die Frage an die Christen, wie sie Jesus als den von Gott gesandten Christus anerkennen. Ergänzt wird es durch das Motto „Entdecke mich": eine Einladung, das Wahrhaftige im Menschen und in sich selbst zu finden, Christus und den Glauben neu oder anders entdecken durch das Erlebnis der Heiligtumsfahrt.

Nähere Informationen zur Heiligtumsfahrt sind zu finden auf:

www.heiligtumsfahrt2021.de

www.facebook.com/heiligtumsfahrt

www.instagram.com/heiligtumsfahrt_aachen