Route der Leisen (W)Orte

(Ich) Entdecke mich an unscheinbaren Orten (Aktionszeitraum: 3. Juni – 3. Juli 2021)

Entdecke mich!

„Entdecke mich!“ Wenn ich etwas entdecke, dann meint dieses alte mittelhochdeutsche Wort, dass ich etwas „aufdecke“ und „mitteile“. Oftmals haben wir keine Zeit in unserem hektischen Alltag noch etwas zu entdecken, zu entschleunigen und auch mal innezuhalten und uns mitzuteilen. Oder aber wir laufen schlechtweg an den Möglichkeiten etwas Neues zu entdecken vorbei. Vielleicht sollten wir die Welt einfach mal wieder aus dem Blickwinkel eines Kindes betrachten, dass neugierig ist etwas Neues zu entdecken und wissbegierig seine Umwelt betrachtet. 

„Entdecke mich!“, das Motto der Aachener Heiligtumsfahrt 2021 , stellt den Menschen in den Mittelpunkt und möchte jeden von uns einmal die Möglichkeit eröffnen Christus, den persönlichen Glauben und insbesondere sich selber zu entdecken. Wer bin ich? Was macht mich aus? Was gibt meinem Leben einen Sinn? Was denke ich über Jesus? Habe ich persönliche Erfahrungen mit Gott gemacht? Was zeichnet meinen Glauben aus? 

Entdecke Dich!

Wir möchten Dich zur diesjährigen Heiligtumsfahrt zu einer Entdeckungsreise mitnehmen und dafür wollen wir Deinen Blick in diesen Tagen auch einmal in die Höhe  lenken, denn über unseren Köpfen erzählen Orte unserer Stadt faszinierende Geschichten. Geschichten, die mitgeteilt werden wollen und vermeintlich Bekanntes wirst Du ganz neu entdecken können. Vier dieser Geschichten an unscheinbaren Orten (Stationen) wollen wir Dir nicht nur erzählen, sondern Dich selber aufdecken lassen, um etwas für Dich selber zu entdecken. Das heißt, „Entdecke Dich und mich!“: Deine Gedanken, Dein Leben, Dein Glaube und auch Jesus. Dabei wirst Du begleitet von anderen Menschen mit leisen Worten – über die installierten LeiseSprecher an den Stationen  – die bereits ihre Gedanken zu ihrem Leben, Glauben und Jesus mitgeteilt haben. An der letzten, fünften Station wirst Du zusätzlich über eine Klangcollage, die Möglichkeit bekommen, alle Gedanken der bereits besuchten Stationen, die über die LeiseSprecher abgespielt wurden, noch einmal zu hören und die Geschichten der Stationen mit Deiner eigenen Revue passieren zu lassen. 

 

Die einzelnen Stationen öffen sich, wenn Sie diese Anklicken!

 

 

 

Leise W(Orte)

Ort: Ehemaliges Dominikanerkloster Aachens , Jakobstraße 21

Detail am ehem. Dominikanerkloster Aachen (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl

Welche Geschichte erzählt dieser Ort der Leisen (W)Orte?

Du stehst hier am ehem. Dominikanerkloster Aachens, welches im 19. Jahrhundert das erste Mutterhaus des katholischen Ordens der „Schwestern vom armen Kinde Jesus“ war. 

Gegründet wurde der Orden 1844 von Clara Fey. Clara Fey entstammte einer wohlhabenden Aachener Tuchfabrikanten Familie und früh nahm sie Anteil am Schicksal von Waisenkindern und Kinder armer Eltern. Durch die zunehmende Industrialisierung Aachens zog es Menschen vom Land in die Stadt, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Es kam zu einer explosionsartigen Zunahme der Bevölkerung, so dass es ein Überangebot an Arbeitskräften gab. Frauen und Kinder mussten mitarbeiten, um die Familie ernähren zu können. Die Wirtschaftskrise in den 40er Jahren und der damit verbundene Produktionsrückgang, führte zur Entlassung von mehr als 50% der in den Fabriken beschäftigten Arbeiter, Frauen und Kinder. Die Arbeitslosigkeit und Verarmung wurde durch die im Jahr 1846 in ganz Europa herrschende Agrarkrise und der damit verbundenen Hungersnot verstärkt. Die städtische Armenkommission wurde vor schier unlösbare finanzielle Probleme gesetzt. Und so waren es vor allem neben der staatlichen Armenfürsorge katholische Kreise, die das Pauperismus – Problem erkannten und mit kirchlicher Wohltätigkeit ihm entgegenzuwirken versuchten. So eröffnete Clara Fey zusammen mit weiteren Frauen im Jahr 1837 aus eigenen finanziellen Mitteln eine Armenschule, um verarmten und verwahrlosten Kindern zu helfen. Aus dieser Armenschule gründete sich die Gemeinschaft der „Schwestern vom armen Kinde Jesus“ aus der der Orden entstand. Ziel des Orden ist es bedürftigen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit einer schulischen Ausbildung und soziale Unterstützung zukommen zu lassen. Das Leitmotiv des Ordens lautet: „Manete in me – bleibt in mir“ (Joh 15,4). 

Aufgrund des Kulturkampfes (1871-1887) zwischen dem Deutschen Kaiserreich und der Katholischen Kirche musste der Orden seine Tätigkeit einstellen und die Schwestern gründeten Ordensableger in Form von Neugründungen in verschiedenen europäischen Ländern. Das Mutterhaus des Ordens wurde nach Simpelveld in den Niederlande verlegt, wo Clara Fey 1894 starb. Mit der Überführung der sterblichen Überreste von Clara Fey zurück nach Aachen im Jahr 2012, wurde auch das Mutterhaus nach Aachen-Burtscheid zurückverlegt. Im Jahr 2018 sprach Papst Franziskus Clara Fey selig. Der Orden hat heutzutage Ableger über Europa bis nach Südamerika und Asien. Zurzeit üben etwa 500 Schwestern ihre apostolische Arbeit in Kindergärten, Grund- und Realschulen, Gymnasien, in Katechese, Gemeinde- und Familienpastoral, in Gesundheitszentren, Armenküchen sowie bei Immigranten, Arbeits- und Obdachlosen aus.

Quellen: 
https://clara-fey.de/Clara-Fey/Leben/
https://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Fey

 

Entdecke mich! 
Was entdeckst Du? 
Entdeckst Du mich?

Über dem ehemaligen Haupteingang zum Kloster der Schwestern vom armen Kinde Jesus in der Jakobstraße 21 befindet sich in einer großzügig angelegten Nische ein Relief mit der Darstellung von Christi Geburt. Wir sehen das in Windeln gewickelte Jesuskind in der Krippe liegen. Eingerahmt wird es von Maria und Josef, die kniend und betend auf den kleinen Knaben schauen. Darüber schwebt mit weit ausgebreiteten Flügeln der Engel, der die Geburt Christi verkündet. Auf dem dazu gehörenden Spruchband stehen die Worte: „Gloria in excelsis deo“ –  (Ehre sei Gott in der Höhe). Diese Personengruppe wird flankiert von zwei großen Säulen und überragt von fünf neugotischen Fenstern. Darüber findet die Nische ihren Abschluss mit einem baldachinartigen dreiteiligen Dach mit mehreren Türmchen. Geschaffen wurde dieses Relief von Wilhelm Pohl  (*1841, † 1909) und Carl Esser (*1861, † 1929), die von 1891 bis 1909 eine gemeinsame Bildhauerwerkstatt in Aachen betrieben.

Der jüdische Glaube kennt Gott als einen fernen Gott im Himmel, fern von der Lebensrealität der Menschen – deswegen ist die Weihnachtsgeschichte geradezu revolutionär. Denn Gott wird Mensch. Gott wird Teil dieser Welt und schreibt mit ihr seine Geschichte weiter und lässt diese Welt auch seine Lebensgeschichte schreiben. Die Weihnachtsszene erzählt von Frieden und einer neuer Weltordnung - in den Jahrhunderten ist mancher Kitsch von Traditionen über diese Geschichte gelegt worden. Die Botschaft ist ambivalent: Engel singen vom Frieden; eine junge Frau (Maria) bringt ehelos ein Kind zur Welt; der Vater (Josef) weiß, dass er nicht der leibliche Vater ist; die Familie findet nur noch einen Stall als Rückzugsort; Rom hat als weltliche Macht die damals bekannte Welt fest im Griff und in der Gewalt; Hirten erkennen in einem Neugeborenen den König der Welt und in diesem Kind liegt die Zukunft der Welt.

Jesu Windeln, eine der vier Heiligtümer, die während der Heiligtumsfahrt gezeigt werden, sollen laut Erzählungen aus der Fußbekleidung des hl. Josef hergestellt worden sein. Sie erinnern damit unter anderem an die Armut des neugeborenen Jesus. 

Quellen: 
Schwester Petra Flöck, PIJ, Schwester vom armen Kinde Jesus
https://heiligtumsfahrt-aachen.de/

 

Entdecke Dich! 
Was entdeckst Du über Dich?

An dieser Station, die den Kindern gewidmet ist und den Beginn des menschlichen Lebens sowie die Geburt Jesu darstellt, möchten wir die Entdeckungsreise zu Dir selbst beginnen: 

- Was weißt Du über Deine Geburt?
- Wenn Deine Lebensgeschichte einen Titel hätte, welchen würdest Du ihr geben?
- Warum musste Gott Mensch werden?


Bibelstelle: Lukas 2

1 Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. 2 Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. 3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. 4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. 6 Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, 7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. 8 In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. 9 Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. 10 Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: 11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. 12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. 13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. 15 Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! 16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. 17 Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. 18 Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. 19 Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. 20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

Ort: Aachener Domschatzkammer, Johannes-Paul-II.-Straße 1

Domschatzkammer, Detail (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl

Welche Geschichte erzählt dieser Ort der Leisen (W)Orte?

Du stehst hier am Eingang der Aachener Domschatzkammer, in der einer der bedeutendsten Kirchenschätze nördlich der Alpen aufbewahrt wird. 

Die Domschatzkammer befindet sich im Kreuzgang des Doms. In der Domschatzkammer werden 130 außergewöhnliche Kunstwerke gezeigt, die einen historischen Einblick in die 1200-jährige Geschichte des Aachener Doms geben. Die Schätze stehen thematisch eng im Zusammenhang mit der historischen, religiösen und kulturellen Funktion und Bedeutung der durch Karl den Großen um 800 gegründeten Aachener Marienkirche, die 1930 den Status einer Bischofskirche erhielt - dem Dom. Darüber hinaus werden auch Textilien gezeigt. Dementsprechend umfassen die Kunstschätze die folgenden Themen: Karl der Große und die Gründung des Marienstifts, Maria als Schutzherrin, Liturgie, Grab und Verehrung Karls des Großen, Krönungen in Aachen, Reliquien und Heiligtumsfahrt sowie den Textilschatz. 1978 wird neben dem Dom auch der Domschatz als erstes deutsches UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Seit 2009 ist die Domschatzkammer eine Station der Route Charlemagne. 

Erste Hinweise zur Aufbewahrung des Domschatzes - Teile des heutigen Schatzes - wurden ab dem 15. Jahrhundert dokumentiert. Der Schatz wurde in einem gotischen Reliquienschrank aufbewahrt, der sich in der Sakristei der Matthiaskapelle des Aachener Doms befand. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Schatz seinen Aufbewahrungsort. So wurde er im 19. Jahrhundert in der barocken Ungarnkapelle platziert und kam- nach Auslagerung nach Paderborn - Ende des Ersten Weltkrieges in die Allerseelenkapelle. Hier wurde die erste Schatzkammer (90 m²) errichtet, die 1931 für die Öffentlichkeit eröffnet wurde. Der Schatz blieb bis auf die erneute Auslagerung aufgrund des Zweiten Weltkrieges in dieser Schatzkammer bis 1979. 1975 wurde mittels des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau ein Schutzbunker im Dom für den Schatz errichtet und in seiner Nähe , an der Westseite des Kreuzganges die heutige Schatzkammer gebaut. Der Schatz wurde nun auf einer Fläche von 490 m² präsentiert. Die Fläche wurde nach 1995 noch einmal auf 600 m² erweitert, um den technischen und sicherheitstechnischen Anforderungen sowie dem stetig wachsenden Besucherstrom gerecht zu werden. In dieser Neuaufstellung wechselte die chronologische Präsentation des Schatzes zu einer thematischen.

Quellen:
https://www.aachener-domschatz.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Aachener_Domschatzkammer

 

Entdecke mich! 
Was entdeckst Du?
Entdeckst Du mich?

Der Eingang zur Domschatzkammer wird auch als „Kleines Drachenloch“ bezeichnet. Die Namensgebung dieses gotischen Portals beruht auf dem im 14. Jahrhundert an gleicher Stelle existierenden Haus namens „drachgenloch“. Dieser Name wurde dem Haus verliehen aufgrund des eigenartigen Toreinganges. Als dann an genau dieser Stelle des Toreinganges der Eingang zu den Kreuzgängen entstand, wurde der Name des Hauses auf das heutige Portal übertragen.
Die Hauptfiguren des Portals stellen Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, den hl. Johannes den Täufer und den hl. Josef dar. Über den Figuren ragen Baldachine empor, die besonders über der erhöhten Mariendarstellung reich gegliedert und geschmückt sind. Singende Engel stehen zwischen den zierlichen Streben. Diese Figuren wurden 1895 von dem Aachener Bildhauer Heinrich Karl Gustav Dunstheiner (*1838/39, † 1916) erstellt, nachdem die ursprünglichen Figuren fast komplett zerstört waren, was gegebenenfalls auf den großen Aachener Stadtbrand vom 2. Mai 1656 zurückzuführen ist. 2001/2002 wurden die Figuren  noch einmal gereinigt und das Drachenloch saniert.

Die Hauptfiguren des Drachenlochs geben einen Einblick in die engste Familie und die  Wegbegleiter/innen Jesu:
Wir sehen seine Mutter, die ihn ehelos zur Welt gebracht hat, ihm ihre Liebe geschenkt hat, aber auch unter seinen Sätzen und Gedanken zu leiden hatte. Sie bleibt aber an seiner Seite – bis zum Kreuz und in seinen Tod hinein. Sie ist auch dabei als seine engsten Freunde nach Ostern mit der Botschaft vom Leben in die bekannte Welt aufbrechen.
Josef ist vielleicht eher eine tragische Gestalt. In der Bibel hören wir von ihm nur in der Kindheit Jesu etwas. In den Geschichte vom erwachsenen Jesus ist er plötzlich verschwunden. Ist er gestorben? Hat er sich von der Familie getrennt? Wir wissen es nicht. Es heißt er sei Zimmermann gewesen – vermutlich hat er Jesus die ersten handwerklichen Erfahrungen beigebracht. Aber dann? Mit dem Verschwinden des Vaters erkennt Jesus für sich, dass Gott Vater ist. Ein ganz neuer Blick auf Gott!
Johannes – er ist nur sechs Monate älter als Jesus und ein direkter Verwandte von ihm. Als erwachsener Mann schlägt er aber einen Lebensweg ein, der sich gegen alles Etablierte stellt. Johannes lebt ein karges Leben in der judäischen Wüste. Dort predigt er mit feurigem Eifer und führt den Menschen vor Augen, dass eine Neuausrichtung des Lebens das Leben von Grund auf verbessern kann. Da er aber auch ein mutiger Redner ist, nimmt er kein Blatt vor den Mund und kritisiert die Regierenden und Reichen. Bei Jesus bewirkt er Bewunderung und Jesus lässt sich von ihm taufen. Von ihm lernt er, dass das Reich Gottes schon hier und heute anbricht, jeden Tag. Jeder Mensch trägt Verantwortung dafür. Johannes findet für seine Worte ein schlimmes Ende, König Herodes lässt ihn töten. 

Während der Heiligtumsfahrt werden auch das Kleid der Mutter Gottes und das Enthauptungstuch des hl. Johannes des Täufers gezeigt. Das Marienkleid ist das einzige der vier Heiligtümer das während der  Heiligtumsfahrt entfaltet wird. Es wird vermutet, dass es als Unterkleid verwendet wurde. Das Enthauptungstuch des hl. Johannes des Täufers symbolisiert die Treue Johannes zu Gott bis in den Tod. Laut Überlieferung soll in dem Tuch Johannes´ Haupt nach seiner Hinrichtung unter Herodes geborgen worden sein.


Quellen: 
Maintz, Helmut (2003): Sanierung des Dachstuhls über dem Oktogon. Sanierung kleines Drachenloch. Bd. 6: Schriftenreihe / Karlsverein-Dombauverein, Thouet, Aachen, 48 S.

https://heiligtumsfahrt-aachen.de/

 

Entdecke Dich! 
Was entdeckst Du über Dich?

An dieser Station schauen wir uns die Wegbegleiter Jesu an. Inwiefern haben sie das Leben Jesu beeinflusst und ihm auch in schwierigen Zeiten halt gegeben. 
Wie aber sieht es mit Deinen Wegbegleitern aus:

- Welche Menschen begleiten Dich in guten und in schlechten Zeiten?

- Welche Menschen haben einen guten Einfluss auf Dein Leben?

- Wie hat Dein Glaube Dir in schwierigen Zeiten Halt gegeben?

 

Bibelstelle: Markus 1 

1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn. 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja - Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird. 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! - , 4 so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. 5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. 7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. 9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Ort: Rathaus Aachen, Markt

Aachener Rathaus, Detail (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl

Welche Geschichte erzählt dieser Ort der Leisen (W)Orte?

Du stehst hier am Eingangsportal des Aachener Rathauses.

Karl der Große (748-814) errichtete nach seiner Kaiserkrönung in Rom eine monumentale Pfalz in Aachen, die mit einer Königshalle (Aula regia) und dem Granusturm, Pfalzkapelle (Marienkirche), einer Garnison und Gerichtssälen ausgestattet war. Die Pfalz diente ihm als fester Regierungssitz. Die Aachener Pfalz wurde traditionell zur Krönungsstätte der römisch-deutschen Könige mit der Krönung von Otto des Großen (936 n. Chr.).

Im 14. Jahrhundert (1330-1349) wurde  auf den verfallenen Grundmauern der Königshalle der Kaiserpfalz das heutige Aachener Rathaus gebaut. Das damalige Rathaus, welches ab 1267 im sogenannten Grashaus - dem Gebäude am Fischmarkt in Aachen – untergebracht war, war nicht mehr repräsentativ genug und das neue Rathaus galt als Symbol der bürgerlichen Freiheit der Aachener Bürgerschaft. Jedoch wurde als Zugeständnis an die Könige ebenfalls ein Saal für das Krönungsmahl der gekrönten römisch-deutschen Könige errichtet. Somit diente das Rathaus als Verwaltungssitz der Freien Reichsstadt Aachen und bis 1531 Festsaal für die größten Feiern des Reiches, die Krönungsmähler. Die Nordfassade des Rathauses wurde mit circa 60 Figuren geschmückt, die farbig gefasst und teilweise vergoldet waren. Der Rathausbau beeindruckte nicht nur die deutschen Zeitgenossen. Die gotische Architektur wurde Vorbild für einige Rathäuser, wie z. B. in Antwerpen, Brügge oder Gent. Der Granusturm, der älteste erhaltene Teil der Kaiserpfalz, wurde in den Rathausbau integriert und um weitere 14 m aufgestockt (insgesamt 20 m). Im Granusturm wurden Urkunden und ein Teil der städtischen Waffen und Munition untergebracht. Der Turm diente zeitweise auch als Gefängnis.

Während der Barockzeit fielen 1656 Teile der Dächer und der Turmhelme des Rathauses dem großen Aachener Stadtbrand zum Opfer. Die verbrannten Gebäudeteile wurden im barocken Stil wieder aufgebaut und die Fassadengestaltung mit der Eingangstreppe (Freitreppe) sowie die Innenausstattung (noch heute im Weißen Saal sichtbar) ebenfalls diesem Stil angepasst, so dass z. B. der kostbare Figurenschmuck verschwand und durch Stuckelemente ersetzt wurde. 

Im 19. Jahrhundert wurde das bis dato vernachlässigte und teilweise baufällige Rathaus saniert und man versuchte  den ursprünglichen gotischen Originalzustand wiederherzustellen, ebenso die Optik des Krönungssaals. Nach einem weiteren schweren Rathausbrand im Jahr 1883 wurden die barocken Türme im Stil der Neogotik ersetzt und der Dachstuhl des Gebäudes erneuert. Zusätzlich wurde das Rathaus mit neugotischen Gemälde, Reliefs und Skulpturen ausgestattet. Die Marktfassade wurde mit Statuen von 50 Königen – teils in Aachen gekrönt -  sowie künstlerischen, wissenschaftlichen und christlichen Symbolen geschmückt. Seit 1802 bildet die als Marienkirche errichtete Pfalzkapelle den Zentralbau des heutigen Aachener Doms, der Kathedrale für das neu gegründete Bistum Aachen. 1902 wurde das restaurierte Rathaus in Beisein von Kaiser Wilhelm II. feierlich eingeweiht.

Den Ersten Weltkrieg überstand das Rathaus ohne  kriegsbedingte Schäden, jedoch beschädigten 1923 Separatisten, die eine Rheinische Republik ausrufen wollten, das Rathaus stark. So wurden Teile der Fassade zerstört sowie  Räume des Rathaus verwüstet. Kurze Zeit später wurde das Rathaus durch die Bombenanschläge im Zweiten Weltkrieg erneut stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Krieg wurde das stark einsturzgefährdete Rathaus zunächst einmal statisch gesichert und der Wiederaufbau begann. 1950 konnte im provisorisch wiederhergestellten Krönungssaal der erste Internationale Karlspreis verliehen werden. Ein Jahr später kehrten Rat und Oberbürgermeister zurück. In Anlehnung an die historischen Vorbilder wurden  die beiden Turmhelme  nach Jahrzehnte langer Diskussion 1978 wieder errichtet.
Seit 2009 ist das Rathaus eine Station der Route Charlemagne und die historischen Säle für Besucher geöffnet.


Quellen:
http://rathaus-aachen.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Aachener_Rathaus
https://de.wikipedia.org/wiki/Aachener_K%C3%B6nigspfalz

 

Entdecke mich! 
Was entdeckst Du?
Entdeckst Du mich?

Über dem Eingangsportal des Rathauses ist die sogenannte Majestas domini-Figurengruppe zu sehen. Die Figurengruppe wurde 1901 im Zuge der Regotisierung von Johannes Müller gefertigt. Im Gegensatz zu den Einzelfiguren der 50 Könige, die über die Marktfassade verteilt gezeigt werden, erscheint Karl der Große inszeniert am Eingang neben Jesus Christus und Papst Leo III. Jesus Christus ist die zentrale Figur des Steinreliefs und wird thronend und segnend mit erhobenen rechten Hand, die das Dreifaltigkeitszeichen zeigt, präsentiert. In seiner linken Hand hält Christus eine Weltkugel mit einem lateinischen Kreuz. Über ihm wurde ein schmuckvoller Wimperg gefertigt, der jeweils rechts und links mit Engeln abschließt. Zur Linken von Jesus Christus kniet Karl der Große, der zu Jesus aufschaut. Auf dessen linken Knie ist das Modell der Pfalzkirche zu sehen und in seiner rechten Hand hält er das Reichsschwert. Karl trägt die Reichskrone und auf seiner Brust ist der Reichsadler abgebildet. Ihm gegenüber ist der ebenfalls kniende und zu Christus betende Papst Leo III. zu sehen, der Karl den Großen in Rom zum Kaiser gekrönt und auch die Pfalzkirche geweiht hat. Beide Figuren werden ebenfalls von Ziergiebeln überdacht. Unterhalb der Figurengruppe sind drei Engel dargestellt, die ein Schriftband mit der Aufschrift „Per me reges regnant (Durch mich regieren die Könige)“ halten. Dieser Satz ist auch auf der Reichskrone zu lesen. Hierdurch wird die damalige christliche Auffassung von Herrschaft, legitimiert durch Jesus Christus, symbolisiert. Die Könige sehen sich als Stellvertretung der göttlichen Macht.

Jesus hat von sich selbst nie als König gesprochen, auch wenn dies immer wieder in der Bilderwelt des Christentums auftaucht. Jesus spricht von der Zukunft mit Gott als ein „Königreich des Himmels“ und das Judentum kennt die Vision eines Menschensohnes, der vom Himmel kommt und dieser Welt die endgültige Zukunft mit Gott bringt. 
In dieser Szene über dem Aachener Rathauseingang verbinden sich diese unterschiedlichen Traditionen der Bibel in einem Machtanspruch von mittelalterlicher Größe. In Jesus kommen die weltliche/staatliche und die religiöse/kirchliche Macht zusammen. Sinnbildlich knien dafür Karl der Große und Papst Leo unter dem Herrscher Jesus, der hier in seiner Majestät thront. Die weltliche und religiöse Macht werden in Jesus verbunden, dem die Würde des Menschensohnes und des Herrschers im Königreich des Himmels zugesprochen wird. Engel verkünden tönend von seinem Kommen, während er auf dem Thron vom Himmel herabkommt. 
In dieser christlichen Glaubens-Klarheit liegt aber zugleich eine Sehnsucht und eine Ambivalenz. Denn die beiden menschlichen Herrscher, Kaiser Karl und Papst Leo III., haben in ihrem Leben Fehler gemacht, Macht missbraucht und menschlich auf das Geschehen in der Welt geschaut. Auch Heilige sind Menschen mit Fehler und Kanten. Dem gegenüber steht die Macht Jesu im Namen Gottes, des Vaters. Ihr sprechen der Glaube und die Bibel Gerechtigkeit, wahren Frieden, Liebe und Barmherzigkeit zu.
Gibt es die Sehnsucht nach einer gerechten Welt und hat Gott damit etwas zu tun?

Quellen:
Restauratoren Kartäuserhof GbR (2018): Majestas domini – Mit Karl dem Großen und Leo III. Über dem Eingangsportal des Aachener Rathauses. Konservierung und Restaurierung des Bestandes. Dokumentation, 37 S.

Blažek, Vera; Altmann, Hans; Weinstock, Carola (2002): Kaiser und Könige in Aachen. Darstellung an der Rathausfassade, Leben und Wirken. Teil I: Von Karl dem Großen bis Richard von Cornwall. Libri Aquenses Verlag, 140 S.

 

Entdecke Dich! 
Was entdeckst Du über Dich?

An dieser Station interessieren wir uns für die Darstellung von Jesus Christus im Bezug zum Menschen. Wie hat Jesus auf den Menschen gewirkt? Was macht seine göttliche Macht aus? 
Wie stehst Du zu Macht:

- Wo erlebst Du Macht in Deinem Leben?

- Wie fühlen sich für dich Situationen an, in denen du ohnmächtig bist, in denen andere (machtvoll) über dich bestimmen?

- Was denkst du zu Macht und Gott, passt das für Dich zusammen? 

 

Bibelstelle: Matthäus 24 

29 Sofort nach den Tagen der großen Drangsal wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. 30 Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde wehklagen und man wird den Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. 31 Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.

Ort: Citykirche St. Nikolaus, An der Nikolauskirche 3

Kreuzrelief an der Citykirche St. Nikolaus (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl

Welche Geschichte erzählt dieser Ort der Leisen (W)Orte?https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nikolaus_(Aachen)

Du befindest Dich an der Citykirche St. Nikolaus in der Aachener Innenstadt.

Heinrich II. stiftete im Jahr 1005 der Freien Reichsstadt Aachen eine Kapelle zu Ehren des hl. Nikolaus – Nikolaus von Myra. Sie wurde an der stadtauswärts gehenden Handelsstraße nach Köln erbaut. Circa 1234 übernahmen die Franziskaner – damals Minoriten oder Minderbrüder genannt – die Kapelle und integrierten diese in den nachfolgenden Klosterbau. Nach Jahrzehnten entsprach die kleine Kapelle nicht mehr den Bedürfnissen des Franziskanerordens und so wurde an der gleichen Stelle eine Kirche im gotischen Stil erbaut. Die Weihe der Kirche erfolgte am Nikolaustag (6.12.) im Jahr 1324 durch Hermann aus Köln, Weihbischof von Lüttich und Bischof zu Heynensis. Der Hauptaltar von fünf Altären wurde dem Hl. Nikolaus gewidmet. Nach einem Brand im Jahr 1333 wurde die Kirche saniert und die Klosteranlage sowie die Kirche in den nächsten Jahrzehnten vergrößert da der Franziskanerorden weiter wuchs. Es kam ein drittes Gewölbejoch (Chorraum) und drei weitere Altäre dazu. Die Kirche verfiel über die Jahrhunderte und 1630 begann der Neubau mit einem dreigeschossigen Hochaltar und Seitenaltäre. Bei dem großflächigen Stadtbrand von Aachen im Jahr 1656 wurde das Kirchendach und der kleine Dachturm zerstört. Nach Wiederaufbau des Dachs wurde 1687 zwischen dem Chor und der Ostseite des südlichen Seitenschiffes ein barockes Nebengebäude errichtet, welches 1703 zu einer Loretokapelle umgebaut wurde. In dieser wurde 1755 der Couven-Altar aufgestellt.

1802 wurde das Franziskanerkloster auf Erlass von Napoléon im Zuge der franz. Besatzungszeit und der damit einhergehenden Säkularisierung aufgelöst. Verwundete französische Soldaten wurden im Kloster untergebracht und auch Pferde beherbergt. Teile des Klosters wurde zum Stadtgefängnis umgewandelt. 1820 wurde nach Abzug der Franzosen das Landgericht Aachen im Kloster angesiedelt. Nach Auslagerung von Gefängnis und Gericht diente das Kloster als Verwaltungsgebäude und Standesamt der Stadt Aachen und ab 1902 als Schulgebäude. Während des 2. Weltkrieges wurde das Klostergebäude zerstört und nicht wieder aufgebaut. Heute befindet sich auf diesem Gelände ein städtischer Parkplatz.

1802 wurde ebenfalls im Zuge der Säkularisierung St. Nikolaus zur Pfarrkirche erklärt. Dadurch konnte ihr Erhalt gesichert werden. Die Pfarrkirche unterlag im 19. Jahrhundert weiteren Baumaßnahmen aufgrund von Schäden. 1894 wurde die Loretokapelle abgerissen und an ihrer Stelle wurde im vorhandenen Gebäudewinkel ein Kalivarienberg-Relief, welches die Kreuzigungsgruppe darstellt. Im 2. Weltkrieg wurde St. Nikolaus bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Die Kirche wurde wieder originalgetreu aufgebaut und 1951 eingeweiht mit einem langgestreckten Chorraum, einem weiten Kirchenschiff und einer Meditationskapelle.

1967 wird die Pfarre St. Nikolaus aufgehoben und fusioniert mit St. Foillan, wodurch der Franziskanerorden erneut die Pfarre übernimmt. 2002 wurde die Pfarrkirche zu einer sogenannten „Citykirche“ umfunktioniert. Von nun an ist die Kirche ein Ort der CitySeelsorge, d.h. ein ökumenischer Ort der Begegnung, an dem sich die kath. und ev. Kirche gemeinsam engagieren. Neue Formen und Aktivitäten der Begegnung mit Gott werden ermöglicht. Darüber hinaus finden auch kulturelle Veranstaltungen in der Kirche statt. In der Silvesternacht 2010/2011 beschädigte eine eingeschlagene Feuerwerksrakete den Hochaltar von 1526, große Teile des Gewölbes und die Ostseite der Kirche. Durch das Löschwasser wurden auch das Hauptschiff und die Orgel in Mitleidenschaft gezogen. Sanierungsarbeiten wurden durchgeführt und 2018 kamen die Reste des Altars zur Restaurierung wieder zurück in die Kirche, wobei die verbrannten Teile des Altars nicht mehr rekonstruiert wurden.


Quellen:
https://www.citykirche.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nikolaus_(Aachen)

 

Entdecke mich! 
Was entdeckst Du?
Entdeckst Du mich?

Das Kalivarienberg-Relief wurde von dem deutschen Bildhauer Lambert Piedboef (*1863, † 1950) an der Ostwand des rechten Seitenschiffes der Citykirche erstellt. Gezeigt wird die Kreuzigungsszene von Jesus Christus. Piedboef setze dabei die Gesichter seiner Verwandten (Familie Ahlertz) in die Figuren des Steinreliefs ein.

In der Mitte des Reliefs ist der Gekreuzigte Jesus Christus zu sehen, rechts und links neben ihm zwei Verbrecher. Im Hintergrund ist der Umriss einer Stadt zu erkennen. Die Kreuzigung findet vor den Toren der Stadt statt. Viele Menschen haben sich dazu versammelt: Rechts vom Kreuz sitzt ein römischer Hauptmann auf einem Pferd – er zeigt auf den Gekreuzigten. Daneben steht ein Soldat mit einer Lanze, um dem Verstorbenen damit in die Seite zu stechen. Der Tod konnte so überprüft werden. Ein Mann mit Leiter und Hand am Schwert steht ihm nahe. Im rechten Vordergrund würfeln drei Soldaten um das Obergewand Jesu. Außen links vom Kreuz ist ein Mann in denkender Pose zu erkennen, die Figur vor ihm ist leider im Gesicht zerstört und kann nicht mehr gedeutet werden. Links hinter dem Kreuz schaut ein älterer Mann zum Gekreuzigten auf. Ist es Josef von Arimathäa, dessen Grabkammer zur Beisetzung genutzt wurde? Oder steht hier ein Jünger Jesu, der sich nicht näher herantraut? Das Zentrum um das Kreuz bilden vier Frauen, die die Hände gefaltet haben, den Kopf in Trauer neigen, zum Kreuz aufsehen oder das Kreuz umfassen. Von diesen Frauen, unter denen auch Jesus Mutter ist, erzählen auch die Bibelstellen, die das einzige Zeugnis dieser Szene sind. 

Das augenscheinliche „grand final“ der Lebensgeschichte Jesu, wie wir es aus der Bibel kennen, endet fatal und drastisch. Die Hoffnung seiner Freunde und seiner Familie auf einen reformierten Glauben und eine neue Weltordnung sind in diesem Moment für sie alle gescheitert. Es ist aber auch ein persönlicher Verlust eines geliebten Menschen. Die Macht des Kaisers wie der jüdischen Obrigkeit lässt sich nicht provozieren und umstürzen. Sie weisen Jesus dem Ort zu, wo sie ihn erkennen: unter Verbrechern ermordet.
Hat Jesu selber falsches Vertrauen auf Gott, den Vater, gesetzt? Ihn ruft er mit seinen letzten Worten und seinen letzten Atemzügen an. Während Jesus allein am Kreuz stirbt, stehen die Personen um Jesus herum, die wir bereits auf dem Relief gesehen haben. Wollen sie ihn tot sehen oder ist seine Botschaft doch nicht ins Leere gelaufen?
Davon erzählt ein kleines Detail: Das Allerheiligste im Tempel von Jerusalem, der Raum, den nur der Hohepriester des Tempels einmal im Jahr betreten darf, wird geöffnet. Der Vorhang, der den Blick auf das Heiligste des Judentums verbirgt, reißt entzwei. Am Kreuz und im Tempel ist symbolisch zu erkennen, was für die ganze Welt gilt: Es gibt keine Trennung mehr zwischen Gott und den Menschen und dieser Welt. Er ist überall zu finden – nicht nur dort wo das Leben gelingt und gefeiert wird, sondern auch dort, wo Leben scheitert und bedroht wird. Im „hauchdünnen Schweigen“ (W. Bruners) dieses Momentes wird deutlich, dass der Gott aus der Botschaft Jesu ein Gott aller Lebensmomente ist. So wie Jesus es in allen Zeichen, Worten und Wundern selber vorgelebt hat.
Gerade auch im Scheitern lässt sich der Gott Jesu erkennen - ein neues und aktuelles Gottesbild für diese Welt: Ein Gott, der auch im Scheitern zu finden ist. Was für ein verrückter Gott!

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nikolaus_(Aachen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Lambert_Piedboeuf

 

Entdecke Dich! 
Was entdeckst Du über Dich?

An dieser Station wollen wir uns mit dem Sinn des Lebens beschäftigen. Jesus musste sterben, da die Herrschenden eine Bedrohung in ihm gesehen haben. Er hat gegen bestehende Konventionen gekämpft. War sein Tod sinnlos? Hatte sein Leben einen Sinn und hat sich dieser erfüllt?

- Was gibt Deinem Leben einen Sinn?
- In welcher Weise spielt Gott in Deinem Leben eine Rolle?
- Wie sieht Deine persönliche Erfahrung mit Gott aus?

 

Bibelstelle: Markus 15 

22 Und sie brachten Jesus an einen Ort namens Golgota, das heißt übersetzt: Schädelhöhe. 23 Dort reichten sie ihm Wein, der mit Myrrhe gewürzt war; er aber nahm ihn nicht. 24 Dann kreuzigten sie ihn. Sie verteilten seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen, wer was bekommen sollte. 25 Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. 26 Und eine Aufschrift gab seine Schuld an: Der König der Juden. 27 Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den einen rechts von ihm, den andern links. 
29 Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Ach, du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? 30 Rette dich selbst und steig herab vom Kreuz! 31 Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester und die Schriftgelehrten und sagten untereinander: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. 32 Der Christus, der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben. Auch die beiden Männer, die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden, beschimpften ihn.
33 Als die sechste Stunde kam, brach eine Finsternis über das ganze Land herein - bis zur neunten Stunde. 34 Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er ruft nach Elija! 36 Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: Lasst, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt. 37 Jesus aber schrie mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus. 38 Da riss der Vorhang im Tempel in zwei Teile von oben bis unten. 39 Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn. 40 Auch einige Frauen sahen von Weitem zu, darunter Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome;  41 sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Noch viele andere Frauen waren dabei, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.

Ort: Citykirche St. Nikolaus, An der Nikolauskirche 3

An dieser letzten Station unserer Entdeckungsreise zu Dir und Gott wollen wir Dir die Gelegenheit geben alle Geschichten der einzelnen Stationen im Bezug auf Deine Antworten zu den Fragen an den Stationen und die der anderen Personen über die LeiseSprecher noch einmal Revue passieren zu lassen. Hier kannst Du Deinen persönlichen Abschluss in einer künstlerisch aufgearbeiteten Klangcollage finden.