„Lebenskleider“ geben Kraft, Hoffnung und Vertrauen

Lebenskleider - Kunstinstallation in der Citykirche Aachen (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl

Das Kleid Mariens, die Windel Jesu, das Lendentuch Jesu und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers: Die vier großen Aachener Heiligtümer, die alle sieben Jahre dem Marienschrein entnommen werden, spiegeln verschiedene Abschnitte eines Lebens wider: Geburt, Kindheit, Erwachsenenalter, Tod. Es sind sozusagen „Lebenskleider“. Was die Stoffe heute wertvoll und einmalig macht, ist ihre Bedeutung in einem bestimmten Moment im Leben dieser Menschen. Aus Alltagsgegenständen wurden erzählende Stoffe. Das Domkapitel Aachen freut sich mit dem Künstler Uwe Appold, neue Stoffe ebenfalls eine Geschichte erzählen zu lassen: Sie spielt im barocken Hochaltar der Citykirche. Abraham van Diepenbeeck (1596-1675) malte 1630 Karfreitagsbilder für den dreistufigen Barockaltar in der Citykirche in Aachen. Sylvester 2011 gingen die Bilder bei einem Brand verloren. Uwe Appold hat die Bilder in dem dreistufigen Altar jeweils mit einem eigenen Thema entwickelt.

Zwei Bilder sind bereits enthüllt: die Taufe und Allgegenwart. Das dritte Bild ab Gründonnerstag 2023 zu sehen sein. Erst dann ist die Kunstinstallation komplett zu sehen. 

Performance während der Wallfahrtstage

Während der Wallfahrtstage ergänzt außerdem noch eine regelmäßige Live-Performance die Installation. Bei der Performance stehen die Kleider vieler Frauen aus verschiedenen Nationen und Ländern symbolisch für die vielen Alltagsstoffe, die eine Tiefe und eine Geschichte bekommen durch die Menschen, die sie tragen – für die Vielen, die zur Heiligtumsfahrt nach Aachen kommen.

Gefördert wird die Kunstinstallation "Lebenskleider" aus Mitteln des Vermögens „Katharina und Maria Wienen“ von der Stiftung „Stiftungsforum Kirche im Bistum Aachen“. Mit der Stiftung werden nachhaltig vielfältige Aufgaben im kirchlichen Bereich unterstützt. Ebenso unterstützen die Pax-Bank, das katholischen Hilfswerk Misereor, die Evangelischen Studierendengemeinde Aachen (ESG) sowie die Katholischen Hochschulgemeinde Aachen (KHG).

Die Taufe

Lebenskleider - die Taufe (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl

Abraham van Diepenbeeck (1596-1675) malte 1630 Karfreitagsbilder für den dreistufigen Barockaltar in der City-Kirche in Aachen. Sylvester 2011 gingen die Bilder bei einem Brand verloren. Uwe Appold hat die Bilder in dem dreistufigen Altar jeweils mit einem eigenen Thema entwickelt. Das schwebende weiße Taufkleid im unteren Bild erinnert an die Putten im Mittelbild der ursprünglichen Gestalt von van Diepenbeecks Hochaltar. Die Farbe Weiß wird ab dem Zweiten Vatikanischen Konzil als Christusfarbe der Reinheit, Auferstehung und das Lichts gedeutet. Die liturgische Farbe Violett gilt als Farbe der Buße und als Vorbereitung für hohe Feste wie Weihnachten und Ostern. Das Oval ist eine Reminiszenz an das Barock, das diese geometrische Form als Ausdruck der Ausweitung verstand und damit die Kreisform der Renaissance überwinden wollte. Das Taufkleid in der Mitte des Bildes ist kein historisches, sondern ganz neu. Bestellt aus dem Internet, so wie das viele heute vermutlich machen, erzählt Uwe Appold. „Es sollte ganz bewusst kein bereits genutztes Taufkleid sein. Dieses Taufkleid steht jedem noch zu Taufenden zur Verfügung. Es ist somit auch ein Symbol des Neubeginns, der gerade in diesen Zeiten besonders wichtig ist“, sagt Uwe Appold.

Allgegenwart

Lebenskleider - Allgegenwart (c) Domkapitel Aachen - Andreas Steindl

Es zeigt den Blick auf eine perspektivische Wolke und nimmt die Betrachtenden mit auf überhöhtem Standort. Ein starker Hell-Dunkel-Kontrast bestimmt die Komposition, wobei die helle Seite überwiegt. Fünf Strahlen steigen als Licht aus der Wolke fächerförmig empor. Die Zahl 5 steht symbolisch für die fünf Wundmale Christi am Kreuz. Im zweiten Ich-bin-Wort sagte Christus von sich Ich bin das Licht der Welt (Joh 8, 12). Der Künstler Uwe Appold verbindet die Lichtaussage mit dem Gekreuzigten. Die waagerechte Kompositionslinie, die van Diepenbeeck in seine Kreuzabnahme eingearbeitet hatte, greift Appold in seinem Bild auf. Etwa in gleicher Höhe bilden Wolken eine Ebene als Zeichen des Horizonts innerhalb der Lichtstrahlen. Gottes Allgegenwart ist unter und über allen Wolken. „Im Barock stehen Wolken für die Allgegenwart Gottes. Das war mir wichtig, zu zeigen“, erklärt Uwe Appold.

Der Künstler: Uwe Appold

Lebenskleider - Uwe Appold (c) Domkapitel Aachen - Andreas Steindl

Uwe Appolds künstlerische Laufbahn beginnt 1962 mit einer Lehre zum Bildhauer und 1968 mit dem Abschluss für künstlerische Formgebung und Gestaltung an der Werkkunstschule Flensburg. Seit 1962 stellt der Künstler regelmäßig im In- und Ausland aus. So hatte er Ausstellungen in beinahe allen deutschen Großstädten, sein internationales Betätigungsfeld erstreckt sich auf Belgien, China, Dänemark, Estland, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Monaco, Niederlande, Polen, Spanien und die Schweiz. Seine Arbeit an den Altarbildern begann Uwe Appold 2020 mit umfangreichen Recherchen zum Werk van Diepenbeecks. Sein Bildprogramm stellt Bezüge zur historischen Malerei her, die der Künstler mit den Intentionen der Heiligtumsfahrt 2023 verbindet.

Lebenskleider - Kunstinstallation in der City-Kirche - Allgegenwart

11 Bilder